Esoterikgeschwurbel

Es birkenstöcklet dieser Tage offenbar eine zunehmende Anzahl zumindest auf den ersten Blick sich einigermassen intakter geistiger Gesundheit erfreuender Mitmenschen im stetig beliebter werdenden Themenquadrat Astrologie, Aberglaube, Ausdruckstanz und Aromatherapie herum.

Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, als ob die Beantwortung der Frage, warum diese Zeitgenossen nicht zu vernachlässigende Mengen monetärer Aufwendungen in bestenfalls durch halbgare pseudowissenschaftliche Erklärungen belegte – oder je nach Verständnis eben nicht belegte – Methoden zur Gesundheitserhaltung oder Heilung zu investieren bereit sind, alleine schon Bücher zu füllen in der Lage wäre. Eigentlich ist aber alles viel einfacher, denn der Mensch liebt ganz einfach ganz einfache Antworten auf seine Fragen. Und diese liefert ihm die Schulmedizin nie, denn diese fischt auf der Suche nach Ursachen für Missstände gemeinhin im Trüben und findet nur, wenn sie auch genau weiss, wonach sie sucht. Symptome bekämpfen kann sie jedoch ganz vorzüglich. Bei alternativen Ansätzen jedoch ist immer alles so schön einfach. Nach kurzem Handauflegen, Kartenlegen, Anschliessen an ein Messgerät oder Bewünschelrutung der Aura wird dem Patienten einfach kurzerhand die Wurzel allen Übels präsentiert.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die Schulmedizin macht tausend Tests und findet keine Ursache, weil der Körper viel zu komplex ist. Die Alternativmedizin jedoch verkündet umgehend mit hochwichtigem Gesichtsausdruck, es liege am üblen Weissmehl, oder an der fürchterbarlichen Kuhmilch, oder gar daran dass irgendwelche kürzlich verstorbenen Leute noch grad ein wenig herumspuken möchten. Und der Kunde ist schampar froh, denn er weiss jetzt den Grund. Obwohl es eben diesen einzigen einfachen Grund zumeist nicht gibt, bezahlt er dann viel Geld für eigentlich lustige, aber sehr teure Klangschalenverballhornung.

Mehr Verständnis kann ich da schon aufbringen für die Anbieterseite, welche sich an dererlei Leichtgläubigkeit eine goldene Nase verdient. Auch ich hätte da auch bereits eine eigene Geschäftsidee auf Lager, welche ich hier natürlich wegen möglicher mitlesender Nachahmer nicht im Detail auszubreiten bereit bin. Nur so viel: Mike Shiva ist ein Scheiss dagegen. Es geht um Brustvergrösserung durch Handauflegen, und dies sogar mit Geldzurückgarantie! Und nein, damit meine ich keine schwabbeligen Gynäkomastiemännerbrüste mit flauschigem Affenhaargilet-Besatz.

Hanebüchene Dinge bekommt zu hören, lesen und sehen, wer sich mutig in die Niederungen der Thematik hinabzugeben bereit zeigt. So habe ich kürzlich gelesen, dass es sich bei der Schulmedizin an und für sich um ein Komplott ungeahnten Ausmasses handle. Krankheiten wie Krebs oder Aids seien nämlich weder schädlich noch tödlich, sondern nur die schulmedizinische Behandlung derselben. Würde ebendiese nämlich ausbleiben, so sei davon auszugehen, dass der Erkrankte sich spontan wieder erhole. Das möchte aber dann aus verständlichen Gründen auch wieder niemand ausprobieren, der wirklich betroffen ist. Was es wiederum einfach macht, solche Theorien zu verteidigen, ganz nach dem Prinzip: Wenn sich der Betroffene nicht in Behandlung begeben hätte, wäre ganz automatisch wieder gesund geworden. Ich möchte ja niemandem auf die Parade regnen, aber das ist feinste Kindergartenlogik.

Auch mit der Homöopathie ist das so eine Sache. Nehmen wir an, ein natürlicher Wirkstoff hat durch dessen Einnahme eine ähnliche Wirkung wie ein vorliegendes Leiden. Nehmen wir des Weiteren an, dieser wird soweit verdünnt, dass er nicht mehr nachweisbar ist. Das ist dann auch gut so, denn weshalb möchte man besagtes Gebresten durch ein sehr ähnliches Ergänzen? Durch Behandlung mit dem soweit verdünnten Wirkstoff passiert etwas viel angenehmeres, nämlich überhaupt nichts.

Wenn es um die Ernährung geht, spannt sich der Bogen von harmlosem bis hin zu wirklich gefährlichem Schindludertreiben. In die Kategorie harmlos einzuordnen sind Dinge wie Veganertum (ich hingegen bevorzuge ab und an ein huren leckeres Mostbröckli zu verspeisen), Sprossen und allerlei Vogelfutter. Nicht ganz so harmlos: Das Konsumieren von Körperabfallprodukten (Eigenurintherapie). Regelrecht gefährlich hingegen: Die Lichtdiät. Auch wenn einige Mitmenschen nicht viel intelligenter sind als eine Zimmerpflanze: Menschen sind nun einmal leider nicht fähig, eine anständige Fotosynthese zu betreiben, weshalb sich zwar vielleicht zuerst eine deliriumsunterstützte Erleuchtung einstellen mag, danach sich aber unweigerlich und flotten Schrittes der Hungertod nähert und dem Spass ein jähes Ende bereitet.

Schlussendlich möchte ich es mir aber nun trotzdem nicht nehmen lassen, das Thema versöhnlich abzuschliessen. Wenn jemand glücklich ist mit Astrologie und aurarenigendem tibetanischem Klangschalenspiel, mehrdimensionalem Familienstellen, Gruppenrückführungen, Hören seiner Organ-Echos, dem einen oder anderen lustigen Exorzismus, einem riesigen Rosenquarz auf seinem Bildschirm oder damit im Walgesang-Nachahmungskurs die eigene tiefe Verbindung zur Natur zu entdecken, dann ist das gut so und tut niemandem weh, ausser vielleicht dem eigenen Geldbeutel.

kerze

Junge Frau, wenn sie den Stuhl korrekt besitzen würden, hätten sie wohl keines der aufgelisteten Leiden zu beklagen.

zombie

An ihren Hautproblemen ist die KUHMILCH schuld, junger Mann!

leben

Einfache Antworten zu schwierigen Fragen machen mich schampar froh.

kaffeesatz

Buäääh!

truemeler

Also, dazu fällt mir jetzt auch nichts mehr ein.

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