Essen wie Gott in Frankreich

Wieder einmal weilten wir zwei kurzweilige Wochen an Frankreichs Atlantikküste, wo wir mit Neopren und Wellenbrettern angetan täglich waghalsig hinauspaddelten in die tosende Brandung, um uns im Schleuderwaschgang sämtliche Körperöffungen mit Salzwasser spülen zu lassen. Was mich auch dieses Jahr hoffentlich vor der Sinusitis im harten Schweizerwinter bewahren wird, für irgendetwas muss das Ganze ja gut sein.

Bei dieser Gelegenheit wird natürlich nicht nur dem Sport gefrönt, sondern auch das leibliche Wohl soll nicht vergessen werden. Womit ich nicht meine was der Leser jetzt gerade gedacht hat, sondern das Essen, welchem man ja in Frankreich dem Sprichwort zufolge wie der Hauptdarsteller des alten Testamentes nachgehen kann.

Franzosen sind der französichen Sprache mächtig, das liegt in der Natur der Sache. Allerdings hält man sie nur sehr schwer davon ab, bei jeder Gelegenheit weltmännisch in anderen Sprachen radebrechend dem armen Touristen, welcher des Französichen nicht akzentfrei mächtig ist, ihre Fremdsprachenkenntnis zu beweisen. Dies leider auch bei Menukarten, für welche es nun wirklich beinahe keine schönere Sprache gibt als Französisch, liest sich doch eine solche Karte – vor allem für das entrangierte Auge – wie die reinste Poesie. Mit welch blumigen Ausdrücken doch die Speisen angepriesen werden können. Und man bestellt nie irgendeinen Salat oder einfach so einen Fisch. Nein, es ist DER Salat und DIE Seezunge, die geradezu für den hungernden Gast bestimmt zu schein seinen.

Ein gar gar fürchterbarliches Exememplar einer solchen übersetzten Speisekarte lief mir während des letzten Aufenthaltes über den Weg. Ich möchte dessen Glanzpunkte dem Leser hiermit nicht länger vorenthalten.

Speisekarte1

Speisekarte2

Speisekarte3

Speisekarte4

Ich war versucht, der netten Dame folgende Bestellung abzugeben, wobei man sich natürlich ein geschliffenes Hochdeutsch vorstellen muss: “Nabend gute Frau. Ich bin hätte gerne den grossen Sockel, den mit dem Mexicana Burger. Tunken sie den Hamburger ruhig richtig aus, und sparen sie nicht mit dem Rechtsanwalt. Als Beilage hätte ich gerne die brat Äpfel und einen zusammengesetzten Salat, garniert mit der gegrillte ei. Sie können damit sicher eine Ausnahme machen, obwohl sie das sonst für nur der Mittag vorgesehen haben. Nur etwas beunruhigt mich noch. Woraus bestehen die sogenannten Stücke im Mix Salad? Auch Rechtsanwalt? Ach ja, als Entree hätte ich gerne die Nüsse von St. Jacques und etwas von dem Essig von Sherry mariniert. Und als Nachspeise nur etwas leichtes, eine kandierte Ente wäre mir recht. Nach dem Dessert möchte ich gerne etwas Lachs rauchen.”

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4 Antworten auf Essen wie Gott in Frankreich

  1. legap sagt:

    Babelfish meint: mmmh, Töne wie Öffnung wässernteller (mmmh, sounds like mouth watering dishes ;)

  2. Eddi sagt:

    Ach du sch… ich dachte immer, eine Spezialität aus Spanien wären die “Spanischi Nierli”, die ja bekanntlich mit inneren Organen nichts gemein haben -doch wol eher mit den Aeusseren und zwar vom STIER! Jetzt beunruhigt mich doch, dass du tatsächlich als Entree, die “Nüsse von St. Jacques” bestellst…………da kann ich nur hoffen das “Jacques” eine mir noch nicht bekannte Rinderrasse ist! :-))

    Eddi

  3. Daniel sagt:

    Ich muss zugeben, dass ich auch nicht minder irritiert bin ob der Gepflogenheit der Französichen Restaurants, einem die Nüsse vom heiligen Jakob zur Vorspeise aufzutischen. Von den “Spanisch Nierli” möchte ich auch nicht gerade einen grossen Sockel vertilgen. Man müsste schon sehr viel Rechtsanwalt beimengen und den Hamburger richtig austunken, damit ich mich zu überwinden vermögen würde.
    Aber mal ehrlich, ich denke da haben die Leute wohl etwas viel Lachs geraucht, um an so etwas gefallen finden zu können.

  4. Eddi sagt:

    Ja, könnte sein. Ich habe gehört alter Lachs entwickelt Halluzinogene. Wenn es sich dann auch noch um, nicht geräucherter Lachs handelt und man ihn sogar inhaliert……… t’ja, dann kann ich mir vorstellen dass man zu vielem bereit sein kann.

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