Das Ende einer Ära der Landesverteidigung

Ich war ja gerade neulich wieder einmal eingeladen, Dienst zu tun am Vaterlande. Und das zum letzten mal. Früher gab es ja noch die Landwehr und ähnliche Landesverteidigungsinstrumente, wo auch der rüstige Greis herzlich eingeladen war mit dem hölzernen Zweitweltkriegskarabiner in lustiger Kameradschaft militärische Formen und das Töten zu üben. Heutzutage hat die Armee kein Geld mehr für tarnfarbene Gehhilfen und biwaktaugliche Schnabeltassen. Deshalb werde ich im hohen Alter von dreissig Lenzen ausgemustert und kann den seit zehn Jahren einfach zu meinem Kellerabteil gehörenden, immer etwas angegraut riechenden Haufen grünen Gerümpels alsbald Vater Staat rücküberantworten.

Als Fazit dieser meiner letzten Dienstleistung bleibt eigentlich nur zu sagen, früher war es besser. Dies als nostalgische Verklärung abzutun wäre zu einfach. Wer die Probleme nicht zu sehen im Stande ist, dem sollte eine Kampfbrille 85 angepasst werden.

Ich habe auch so eine. Der Zweck dieses Produktes optischer und feinmechanischer Handwerkskunst ist übrigens nicht in erster Linie der Einsatz als Sehhilfe, ist doch das als harmloses Brillengestell getarnte Gerät eigentlich ein geheimes Mittel der letzten Stunde. Jeder, der mich damit sieht wird sich unweigerlich totlachen. Vergleicht man dieses Accessoire für den stilsicheren Massenvernichter mit Ausrüstungsgegenständen neueren Datums muss sich auch dem unbedarftesten Dienstverweigerer aufdrängen, dass hier eklatante Mängel vorliegen. Ein gutes Beispiel dafür: Der neue Helm. Sein Vorteil ist die Sicherheit. Die absolute Sicherheit nämlich, dass man damit blöd aussieht. Das hat deutliche Vorteile. Mit dem alten Helm sehen nur etwa siebzig Prozent der Leute doof aus. Mit dem neuen dagegen sehen alle – ohne bekannte Ausnahme – der so behüteten aus wie komplette Vollidioten.

Stellen sie sich jetzt einmal diesen wundervollen Helm kombiniert mit einer Körpergrösse von durchschnittlich etwa 1.50m, leichtem Übergewicht und diesem irgendwie touristenhaft aussehenden neuen Rollgepäck* vor. Was haben sie dann? Richtig, den modernen Wachtmeister. Diese furchteinflössenden Kampfmaschinen stellen das Kader der modernen Armee. Offiziere scheint es keine mehr zu geben, jedenfalls nicht dort wo ich Dienst tue. Die sind wohl mit ausserdienstlichen Freizeitübungen vollauf ausgelastet, so konnte man es wenigstens in den letzten Tagen den Zeitungen entnehmen.

Neulich war ich eine ganze Woche der Wache zugeteilt. Das war ist sehr kräftezehrend, man hat etwa sechs Stunden Arbeit pro Tag. Wobei Arbeit vielleicht nicht die korrekte Bezeichnung dafür ist, auf einem Stühlchen zu sitzen und das wachsam-wehrbereite Augenmerk auf dem Eingang einer Zivilschutzanlage ruhen zu lassen. Ruhen ist übrigens, was man in den übrigen 16 Stunden tut. Und das erst noch bei voller staatshaushaltsbelastender Bezahlung. Guten Abend.

* Rollgepäck: Was soll das? Soldaten mit tarnfarbenen Rollkoffern? Das darf doch nicht wahr sein. Können die ihr Zeug heutzutage nicht einmal mehr tragen? Warmduscher!

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2 Antworten auf Das Ende einer Ära der Landesverteidigung

  1. milaan sagt:

    da sag ich nur: willkommen im klub der ausgemusterten alten säcke..

    und: schön wär noch so eine visuelle unterstützung für mich, damit ich mir etwas unter genanntem neuen helm vorstellen kann..

    schliesslich bin ich nun doch auch schon fast zwei jahre in der dienstrente..

  2. lhohl sagt:

    Ich kann mir leider auch nichts unter dem neuen Helm vorstellen und werde ihn wohl auch nie auf meinem Haupt tragen (“Kampfwertsteigerungen” beschränken sich in unserer Truppe auf halbherzige Klebverschlussaufnähaktionen). Eine unbedarfte Google-Suche mit “armee schweiz neuer helm” hat mir aber weitergeholfen: http://blog.t-error.ch/article/352/neue_kevlarhelme_bei_der_schweizer_armee/ ;-)

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