Mutter schafft. Vater Urlaub.

Jetzt ist es also soweit. Ich bin Vater. Eine Zeit der Veränderung. Erschreckend einerseits, ich habe gerade die halbe Migroszeitung gelesen, bis ich gemerkt habe, was ich da tue. Andererseits aber auch faszinierend. Mein Alltag dreht sich fast komplett um dieses Thema, so soll denn auch dieser Text hier nicht aus der Reihe tanzen. Es soll sich aber in diesem dem heutigen Beitrag explizit nicht um den heiklen Themenkomplex der Erziehung drehen, dazu bin ich noch nicht bereit. Das Thema ist nämlich explosiver als eine Mikrowellenlasagne, bei welcher fälschlicherweise bereits vor dem Erhitzungsvorgang der Deckel abgezogen wurde, was zwar einerseits einen ganz beeindruckenden, dumpfen Knall und eine gigantische Sauerei verursachen kann, andererseits aber schon wieder ein ganz anderes Thema ist und eigentlich auch eine Geschichte, welche ich ein andermal gerne mit Genuss vor der geneigten Leserschaft auszubreiten gewillt bin.
Hört der werdende Vater zum ersten Male die Begriffe Mutterschaft und Vaterschaftsurlaub, so mag er alsbäldiglich vorschnelle Schlüsse ziehen. Das tönt dann laut gedacht etwa so: “Aha, Mutter schafft und Vater Urlaub.” Weit gefehlt, investiert sich doch der moderne Vater beträchtlich in die plötzlich zugefallene Rolle. Vorbei die Zeit, wo Väter am Nachtage des Geburtsspektakels mit riesieger Heuchelstaude bewaffnet ihrer Holden und dem Spross ihrer Lenden aufgewartet haben, während der eigentlichen Geburt aber mit Abwesenheit zu glänzen pflegten. Heute ist der Zeuger beim kompletten Vorgang mitten im Getümmel, wenn sich die Natur ihren Weg bahnt. Der Nutzwert, der ihm dabei zukommt ist aber leider – und da sind trotz beachtlicher Fortschritte im wissenschaftlichen Feld der Genmanipulation in näherer Zukunft keine einschneidenden Änderungen zu erwarten – etwa vergleichbar dem einer durchschnittlichen Zimmerpflanze. Die drei vielzitierten Phasen der Geburt, Schmerz, Schmerz und unglaublicher Schmerz wäre der Mann an und für sich – und solche Frezeithypochonder wie ich es bin im Speziellen – zu ertragen ja sowieso unmöglich im Stande.

Wenn denn der Geburtsvorgang vorbei ist und das neue Leben einem aus unschuldigen Äuglein anschaut, passiert etwas überaus interessantes. Der Mann begreift. Und auf diesen Moment kann man sich nicht vorbereiten. Alles was einem vorher erzählt wurde, was man gelesen hat, reduziert sich zu hohlen Phrasen, weil man das Gefühl ganz einfach nicht mit dem Hilfsmittel der Sprache, sei diese auch durch Übung geschliffen wie das Schwert eines japanischen Samurais, adäquat zu beschreiben in der Lage ist.

Und urplötzlich tut man genau die Dinge, für welche man sich früher höchstens heftig fremdschämen musste in aller Öffentlichkeit. Man spricht mit eigenartiger Stimme und leicht verblödetem Vokabular zum Kinde und versucht den Körperausscheidungsauffangvorrichtungsfüllstand mittels Geruchssinn abzuschätzen. Und das ist ja nur der Anfang. Aber – falls das noch nicht klar wurde – man tut es gerne.

Der Volksmund sagt bekanntlich, guter Rat sei teuer. Da dieser zum Glück aber nicht immer Recht hat, möchte ich hier abschliessend ein paar aus dem Leben gegriffene Ratschläge absondern, welche vor allem für jene Mitmänner interessant sein dürften, welche dereinst selbst einmal zur Familiengründung schreiten möchten. Gleich nachdem das Kind das Licht der Welt erblickt, ist es ja noch eher zerknittert und von wenig ansprechender Farbgebung. Kein Grund zur Sorge, denn das ändert sich in den darauf folgenden Minuten recht hurtig. Wie oben schon erwähnt, wird vom modernen Vater ja erwartet, dass er viel Zeit mit dem Kind verbringt. Lassen sie sich deshalb ein praktisches Tragetuch schenken und binden sie sich das Kind um den Luxuskörper, dann haben sie nämlich immer noch zwei Hände frei für andere Dinge wie Bier und Zigaretten. Und falls sich das Kind einmal absolut überhaupt gar nicht mehr durch den Vater beruhigen lassen will, lassen sie sich gesagt sein: Von Stilltee werden Kinder überhaupt nicht still, da müssen sie sich schon etwas anderes einfallen lassen. Oder hoffen, dass sich die mütterliche Milchversorgung nicht gerade allzu weit ausserhalb Rufweite aufzuhalten beliebt.

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